Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden
Suche

Sonntag, 24. Juni 2018

Arbeitsmarkt

Beständig ist nur der Wandel

Von Chris Löwer | 7. Juni 2018 | Ausgabe 23

Im Zuge der digitalen Transformation und der Verschmelzung ganzer Branchen entstehen neue Berufsbilder – vor allem Elektroingenieure profitieren.

Bildartikel zu transformation_B171315188_.jpg
Foto: panthermedia.net/Olivier26

Klick zur Karriere: Sowohl in der Kernbranche als auch in den Anwenderbranchen werden Ingenieure mit IT-Affinität gern eingestellt.

Das Jahr 2018 steht ganz im Zeichen der weiteren Annäherung von Mensch und Maschine“, sagt Dinko Eror, Senior Vice President und Managing Director von Dell EMC. Angetrieben von Technologien wie künstlicher Intelligenz, Virtual und Augmented Reality sowie dem Internet der Dinge würden Mensch und Maschine stärker kooperieren und die Digitalisierung von Unternehmen vorantreiben. „Zudem werden die Kundenbeziehungen so eng wie nie“, ist Eror überzeugt. Denn Unternehmen würden ihre Kunden mithilfe von Predictive Analytics, Machine Learning und künstlicher Intelligenz noch besser verstehen.

VDI auf der Cebit

Und mittendrin Ingenieure, für die sich etliche neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt bieten, während gleichzeitig alte Karrierepfade schwinden, weil sich Berufsprofile wandeln – das im Takt der digitalen Transformation, deren Welle quer durch alle Branchen wogt. Davon zeugt auch eine repräsentative Umfrage unter 905 Unternehmen, die Bitkom Research gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Tata Consultancy Services durchgeführt hat: „Ganz oben stehen Cloud Computing und Big Data Analytics“, berichtet Frank Karcher, Leiter Personal und Administration bei Tata Consultancy Services (TCS) in Deutschland. Laut der Umfrage haben drei Viertel der Unternehmen diese Themen auf dem Radar. Beim Internet der Dinge ist es jede zweite Firma. Etwa jedes dritte Unternehmen interessiert sich für Technologien wie Virtual und Augmented Reality, 3-D-Druck oder künstliche Intelligenz. Erstaunlich: „Blockchain ist trotz der enormen Aufmerksamkeit noch ein Exot unter den digitalen Technologien“, meldet Karcher. Nur 7 % geben an, dass sie gegenüber der Blockchain-Technologie interessiert und aufgeschlossen sind. Großes Augenmerk gilt in einer vernetzten Welt notgedrungen der IT-Security: „Das ist eines der wichtigsten Themen, besonders vor dem Hintergrund der sich häufenden Cyberattacken, die sich auch gezielt gegen Unternehmen richten“, sagt Juliane Petrich, Leiterin Bildung beim Bitkom.

Doch für welche Jobs und Aufgaben tun sich aufgrund dieser Trends für Ingenieure neue Chancen auf? „Elektroingenieure haben unverändert sehr gute Jobaussichten – und daran wird sich so schnell auch nichts ändern“, sagt Personalberater Thomas Hegger, selbst studierter Elektroingenieur und stellvertretender Vorsitzender des VDE-Ausschusses Studium, Beruf und Gesellschaft. Gerade im Bereich F&E und auf allen Anwendungsfeldern seien Elektroingenieure klar im Vorteil. Was sich auch in hervorragenden Verdienstaussichten spiegele, ergänzt Petrich.

Ohne Basiswissen in Informatik läuft kaum noch etwas, und zwar in allen Branchen, weiß Karcher und appelliert: „Wenn Informatik nicht im Curriculum stark vertreten ist, sollten Studierende von sich aus entsprechende Schwerpunkte setzen.“ Denn interne Geschäftsprozesse und die Interaktion mit Kunden würden zunehmend digitalisiert. „Nahezu jede Maschine und jedes Produkt enthält heute Software sowie Sensoren und wird zukünftig im Internet der Dinge vernetzt sein.“

Für das Zusammenspiel von Software und mechanischen Elementen werde Know-how aus beiden Bereichen benötigt. „Hinzu kommen neue Geschäftsmodelle durch die Auswertung der im Betrieb gesammelten Daten dieser Smart Devices. Für Ingenieure mit Informatikkenntnissen tun sich in nahezu allen Branchen enorme Chancen auf“, erklärt Karcher. Ähnlich sei es bei Smart Home oder Smart Grids, also der Heimvernetzung bzw. intelligenten Stromnetzen.

Durch die digitale Transformation und der Verschmelzung ganzer Branchen entstehen nie dagewesene Berufsbilder. „Ingenieuren eröffnen sich neue Aufgaben und Jobprofile, etwa den Machine Learning Engineer, den Ingenieur für autonomes Fahren oder den Ingenieur für künstliche Intelligenz“, sagt Petrich. Die Tätigkeitsbereiche würden sich in den nächsten Jahren durch neue Technologien und Prozesse weiter verändern: „Daher können sich Absolventen aus dem Bereich Elektrotechnik auf eine dynamische, abwechslungsreiche und schnelllebige Arbeitswelt einstellen.“

Besonders der rapide Wandel macht Prognosen über künftig benötigte Skills schwer. „Das Kuriose dabei ist, dass die Entwicklung so schnell voranschreitet, dass sich viele der benötigten Fähigkeiten derzeit erst herausbilden“, meint Eror. Das zeige auch eine Studie von Dell EMC, aus der hervorgeht, dass Expertenschätzungen zufolge etwa 85 % der Jobs des Jahres 2030 derzeit noch gar nicht erfunden sind.

Welche Kräfte gerade besonders gesucht sind, kann Eror aber durchaus benennen: „Derzeit haben neue Berufsbilder wie Data Scientist, Cyber Security Specialist, Solution Architect oder User Experience Designer Hochkonjunktur.“ Besonders gefragt seien dabei vor allem solche Talente, die ein fundiertes Technikverständnis mit einer vertriebsorientierten Denke verknüpfen können.

„Zudem fehlen im IT-Bereich immer noch die Frauen: Obwohl die IT die vielleicht zukunftsträchtigste Branche überhaupt ist, sind immer noch rund 80 % aller Stellen von Männern besetzt“, bedauert Eror. Karcher ergänzt: „Deutlich intensiver als andere Wirtschaftszweige suchen Maschinenbauer derzeit Softwareentwickler und Virtual-Reality-Designer.“ Ähnlich sei das Bild in der Automobilbranche: „Stärker gefragt als in anderen Branchen sind hier Data Scientists, Virtual-Reality-Designer sowie Spezialisten für Cloud und Softwareintegration.“ Immer von Vorteil sei bei allen Jobs Prozessverständnis und gesamtheitliches Denken.

Petrich wundert diese Entwicklung nicht: „IT und Elektrotechnik sind die Treiber der Digitalisierung, daher werden gut ausgebildete Fachkräfte aus diesen Fachrichtungen besonders stark nachgefragt.“ Neben fachlichem Know-how müssen entsprechende Fachkräfte ein hohes Maß an Kreativität, Team- und Kommunikationsfähigkeit mitbringen. Die Fähigkeit, sich ständig auf neue Technologien einzustellen und sich in kurzer Zeit in neue Bereiche und Anwendungsgebiete einzuarbeiten, werde darüber hinaus immer wichtiger.

So sieht das auch Hegger. „Gefragt ist weniger eine Spezialisierung. Die stellt sich im Job von allein ein. Wichtig sind ausgeprägte Methodenkompetenzen, um sich schnell in neue Themen einarbeiten zu können.“ Nicht nur einzelne Anforderungen wandelten sich ständig, sondern Berufsfelder, wobei manche ganz verschwänden. „Auch für Ingenieure“, betont Hegger.

Das erfordert ein Höchstmaß an Flexibilität und Offenheit. „Technisches Know-how allein reicht nicht mehr – gesucht sind Mitarbeiter, die lern- und wissbegierig sind, gut mit Menschen umgehen können und den Mut haben, auch mal neue Wege zu gehen“, betont Eror.